der prozeß müßte eigentlich heißen: „die prozesse“. nach dem krieg gab es durchaus den versuch, kriegsverbrecher zu ermitteln und einer gerichtsbarkeit zuzuführen.

im ehemaligen kz dachau wurden die sogenannten „flossenbürg-prozesse“ durchgeführt, die ermitteln sollten, welche aufseher, bedienstete und sonstigen mittäter im kz flossenbürg und den dazugehörenden außenlagern kriegsverbrechen begangen hatten.

für diese gerichtsverfahren wurden sehr viele akten von den us-behörden gesammelt und zusammengeführt. die zeugenaussagen und sonstigen unterlagen führten zu zahlreichen harten urteilen.

viele dieser akten wurden jahrzehnte nach ihrer lagerungszeit in amerikanischen archiven an deutsche archive übergeben, um sie der forschung zugänglich zu machen.

auf diese weise war es vor wenigen jahren überhaupt möglich, die eingangs erwähnten familiennamen zu finden.

da stand drin: „nach buchenwald transportiert“.

und tatsächlich, die erste gemeinsame forschungsreise des konzertduos kẑrme in der gedenkstätte buchenwald brachte nach einigem suchen sehr deutliche ergebnisse ans licht: die gesamte akte des häftlings marijan zaja.

es war ein schock, nach jahrzehnten des totalen nichts plötzlich originale ss-dokumente zu betrachten, die den eigenen namen trugen.

die folge war zunächst eine musikalische befreiungsaktion: in der der gedenkstätte buchenwald benachbarten dorfkirche st. peter zu nohra entstanden sieben total improvisierte musikstücke, die sich mit den ungeheuerlichen vorgängen auseinandersetzten.

das duo kẑrme hatte dank bestehender kontakte von ralf kaupenjohann zum pfarrer die möglichkeit, einige stunden in der historischen kirche zu spielen. die freundliche herzlichkeit war überwältigend. das gartenbauteam machte eine längere pause, nachdem uns die küsterin gefragt hatte, was das denn alles bedeute.

es gab nur eine kurze, wahrhaftige antwort:
„wir haben bei forschungen in der gedenkstätte schlimme sachen über einen verwandten herausgefunden und brauchen jetzt was schönes.“

es war warm, schönstes wetter, es flogen schon lange keine militärhubschrauber der sowjets mehr, und es war total ruhig. doppelt neues land.

hier entstand die cd 6032 32513 – diese nummern waren dem marijan zaja erst in flossenbürg, dann in buchenwald in den arm tätowiert worden.

zwar wurden auf diese weise, ausgelöst durch die schnelle flucht der ss bei der aufgabe des lagers buchenwald, bei der es den lange vorbereiteten aufstand der häftlinge dann doch nicht wie geplant gab, viele akten erhalten, die zu verurteilung einiger kriegsverbrecher führte.

verurteilt wurde aber nicht derjenige henker, der die geschwister scholl köpfte: er tötete weiter für die militärregierung. später war er hundezüchter.

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